„Uroma gesucht“
In Kamenz-Ost hat sich in den letzten Jahren viel getan, die Häuser wurden saniert, das Umfeld gestaltet, Bolz- und Spielplätze geschaffen. Hier lässt es sich gut leben. Aber es ist auch nicht zu übersehen, dass trotz einer gemischten Altersstruktur wenig Kontakte zwischen den Generationen bestehen. Vor allem junge Familien, erst recht, wenn sie nach Kamenz zugezogen sind, haben oftmals keine Angehörigen vor Ort.
Das trifft auch für die Kinder in der städtischen Kita „Sonnenschein“ zu. Wenn sie aus dem Fenster schauen, sehen sie auf der anderen Straßenseite das Malteser-Alten- und Pflegeheim „St. Monika“ — könnte man da nicht irgendwie zusammenkommen? Wenn Kindern Großeltern vor Ort fehlen, könnten sie nicht „Ersatz“ im Altenheim finden? Damit war die Grundidee gefunden und mit dem Titel „Uroma gesucht“ das Anliegen auf den Punkt gebracht.
Unmittelbar, nachdem der Freistaat 2015 die Richtlinie zur Förderung einer „Nachhaltigen sozialen Stadtentwicklung“ veröffentlicht hat, begann in der Großen Kreisstadt Kamenz eine Diskussion, wie Städte- bauförderung durch Einzelprojekte im sozialen Bereich, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Freistaats und der Stadt finanziert werden, sinnvoll ergänzt werden kann. In der „AG Soziales“ trafen sich schon damals regelmäßig unter Leitung der Sozialdezernentin engagierte Kamenzer/-innen aus der Bürgerschaft, von sozialen Akteuren und aus dem Stadtrat, um im Gedankenaustausch Problemlösungen zu finden und Vernetzung voranzutreiben. Mit dem neuen Programm konnten nun Ideen aufgegriffen werden, für die sich bisher keine Finanzierung gefunden hatte. Und so wurde das Projekt entwickelt, das eine Generationen-Brücke über die Christian-Weißmantel-Straße in Kamenz-Ost schlägt — von der Kita zum Malteser-Stift. Die Projektidee wurde durch den Stadtrat bestätigt und 2017 zur Förderung beantragt.
Im Frühjahr 2018 ging es los; inzwischen wurden ca. 50 Ideen umgesetzt, die von Märchenstunde über Faschingsparty, Vogelhochzeit und Bändertanzen bis zum gemeinsamen Plätzchenbacken im Advent reichen. Alle Veranstaltungen werden durch die Kinder selbst geplant und vorbereitet. Wenn sie anschließend darüber sprechen, was gefallen hat und was weniger gut ankam, lernen sie, dass nicht jeder Plan aufgeht und was beim nächsten Mal anders gemacht werden sollte. Besonders stolz sind sie, wenn auch ab und zu die Eltern mitkommen und sie denen „ihre Uroma“ vorstellen können.
Die Corona-Krise hat natürlich auch bei „Uroma gesucht“ Planungen verändert und Kontakte eingeschränkt. Aber als — gleichlautend aus der Kita und aus dem Malteserstift — der Ruf kam „Ihr fehlt uns so!“ — da war klar, dass das ESF Projekt sein Ziel erreicht. Und bevor es im Sommer 2020 unter Hygiene-Regeln wieder mit persönlichen Treffen losging, wurde erst einmal im Hof des Altenheims Musik gemacht — und alle freuten sich, dass sie etwas voreinander hören…