Regionalkonferenzen 2020

„Zu keiner Zeit langweilig!“ sei es gewesen, der regionale Bezug habe gezeigt, welch großes Engagement in Kommunen möglich sei, die Diskussionen seien lebhaft und konstruktiv gewesen, und man habe gute Impulse für die Praxis mitnehmen können. Sogar ein neuer „Leuchtturm“ wurde entdeckt…. Wovon ist die Rede? Das Bildungswerk Kommunalpolitik Sachsen e.V. hat in diesem Herbst zusammen mit dem Deutschen Familienverband Sachsen e.V. zwei Regionalkonferenzen veranstaltet und für den 13. Oktober nach Heidenau und für den 15. Oktober nach Rodewisch eingeladen. Thema beider Veranstaltungen: „Familien im Zentrum: verschiedene Konzepte, gemeinsames Ziel!“

In einem Jahr wie diesem waren schon die Vorbereitungsarbeiten nicht ganz einfach. Wer wollte sich in Corona-Zeiten auf Termine für die Zeit danach festlegen? Dank an unseren Moderator, Dr. Thomas Arnold, Leiter der Katholischen Akademie in Dresden, der – unverdrossen und zuversichtlich – diese Termine für uns in seinem Kalender geblockt hat! Es waren der Bürgermeister aus Heidenau, Jürgen Opitz, und die Bürgermeisterin von Rodewisch, Kerstin Schöniger, die für diese Möglichkeit offen waren, auch (oder gerade?) in einem Jahr wie diesem das Thema Familienfreundlichkeit auf die Tagesordnung zu setzen.

Herausfordernde Faktenlage

Thomas Moldenhauer, regionalysen/Das Regionalportal für Sachsen, hat in Heidenau und auch in Rodewisch mit seinem Referat die Veranstaltung eröffnet. „Ich mag Fakten!“ – und so hat er auf die problematische Bevölkerungsentwicklung in Sachsen hingewiesen. Der Geburtenknick von vor 30 Jahren ist auch durch „nachgeholte“ Geburten nicht aufgehoben, die Mädchen, die nicht geboren sind, fehlen jetzt und auch zukünftig als Mütter…. Was können Kommunen tun, um ihre Attraktivität für junge Leute, vor allem auch junge Frauen, zu steigern? Was brauchen Familien? Und wie können Eltern über Kitas und Schulen erreicht werden?

Kommunale Antworten

Das hat den Nerv getroffen. Heidenau, so Bürgermeister Jürgen Opitz in seinem Impulsreferat, hat zur Zeit eine steigende Einwohnerzahl, es gibt Zuzüge auch aus dem Umland, aber auch eine besonders große Fluktuation, auch innerhalb er Stadt. Was Heidenau an Attraktionen für junge Familien zu bieten hat: ein innovatives Programm für die Anmeldung für einen Kita-Platz und Wohnungen, die bezahlbar sind. Nach den zwei Hochwassern 2002 und 2013 habe Heidenau lernen müssen, wieder an sich glauben…

„Du kannst mehr als Du denkst!“ Zu diesem Thema finden seit 2009 in Heidenau alljährlich Projekttage für Schüler der neunten Klassen statt. Inzwischen nehmen alle Schulen daran teil. Ziel ist es, die Schüler neue Erfahrungen machen und sie fernab vom üblichen Schulalltag neue und völlig andere Tätigkeitsbereiche erleben zu lassen. Es ist ja so: Lebenslanges Lernen ist angesagt: Das soziale Umfeld ändert sich, Lebensentwürfe entpuppen sich als nicht tragfähig. Es ist nötig, die eigenen Pläne, auch was Berufswege angeht, immer wieder einmal zu überprüfen und sich neu zu erfinden. Diese Projekttage machen Mut und fördern Selbstvertrauen.

Familien auf dem Wohnungsmarkt

Sven Winkler vom Verband sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V. hat in seinem Beitrag die Studie „Wohn(T)räume 2.0“ vorgestellt, in der es um Fragen der Bezahlbarkeit des Wohnens geht. Anhand von Fallgruppen wird in dieser VSWG-Studie untersucht, wer sich welche Miete leisten kann. Besonders schwer haben es Familien auf dem Wohnungsmarkt: Die maximal bezahlbaren Mieten nehmen mit zunehmender Kinderzahl ab – ein Paradox! Größere Familien brauchen mehr Platz, haben aber weniger Geld zur Verfügung…. Und bedarfsgerechter, ausreichend großer Wohnraum ist rar – auch wenn es kreative Möglichkeiten gibt: das Zusammenlegen benachbarter Wohnungen oder Maisonette-Lösungen. Gar nicht so einfach also. Um so wichtiger, das im Auge zu behalten.

Familienfreundlichkeit groß geschrieben

Was an Familienfreundlichkeit möglich ist, wurde am 15. Oktober dann auf der Regionalkonferenz im Vogtland deutlich. Familien zu unterstützen sieht die Rodewischer Bürgermeisterin, Frau Kerstin Schöniger, als kommunale Aufgabe. Respekt vor den Leistungen von Eltern in der rush hour ihres Lebens, Eingehen auf die Bedürfnisse von Familien in den verschiedenen Lebensphasen und die Einbeziehung und Beteiligung der Bürger, angefangen von den Jugendlichen der Stadt bis hin zu den Senioren – das sind die drei Säulen und das Erfolgsgeheimnis der familienbezogenen Kommunalpolitik in Rodewisch.

Kinder – brauchen Kitas und Schulen,
Jugendliche – coole Freizeitangebote und die Erfahrung, etwas gestalten zu können,
Eltern – brauchen familienfreundliche Arbeitgeber und eine entgegenkommende Verwaltung, Anerkennung und ab und zu auch Zeit für sich
Ältere – benötigen Unterstützung und medizinische Versorgung.

Diese Bedürfnisse im Blick zu haben und die Daseinsfürsorge für alle Generationen sicherzustellen ist, so die Bürgermeisterin, eine Dauerbaustelle. Dass es sich lohnt, sich dem zu stellen, dass Transparenz und Beteiligung wahrgenommen werden, haben auch die Rückmeldungen zur Rodewischer Regionalkonferenz gezeigt: Es gibt die Leuchttürme familienfreundlicher sächsischer Kommunen – und Rodewisch gehört dazu!

Zwei Städte – zwei Filme

Schön der Film über das Schulprojekt mit den vielen verblüfften Schüleraussagen „Hätte ich echt nicht gedacht, dass das so viel Spaß macht!“, den Bürgermeister Jürgen Opitz auf der Regionalkonferenz in Heidenau gezeigt hat! Auf der Regionalkonferenz in Rodewisch gab es am Schluss auch einen Film, einen Heimatfilm der ganz besonderen Art: Jugendliche haben sich mit Witz und ganz viel Schwung in ihrem Rodewisch präsentiert. Eine Kommune zu werden, in denen junge Menschen gern leben – es sind verschiedene Wege, die dahin führen, aber es ist ein Ziel.

Was bei den Regionalkonferenzen noch zu wünschen übrig blieb:

Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer: „ein stärkerer Austausch in Kleingruppen mit Ideenaustausch/-findung…“ und „verschiedene Städte/Gemeinden als Vergleich“ – das wäre beim nächsten Treffen schön. Was aber auch gegen alle Resignation gesagt wurde: „Wir dürfen uns nicht mit der Abwanderung abfinden…“!